Ebersbach | Dorfchronik

„Bewegt schlägt das Herz bei dem Worte »Heimat«! Das ist die traute Stätte, wo zuerst das Mutterauge liebend auf uns niedersah, wo des Vaters Hand uns begleitete und schützte und wo wir als Kinder geweilt, gescherzt und gespielt haben.“

Pfarrer August Goerler 1926 im Vorwort der selbstverfassten Ebersbacher Chronik

Ebersbach Museum Obg. Foto Werner Panse
Ebersbach auf einer Karte im Historischen Museum Obergünzburg
Foto: Werner Panse


„Heimat ist aber auch ein Stück Geschichte.“

Ebersbach liegt 5 km östlich von Obergünzburg an der Staatsstraße Kempten – Kaufbeuren. Das Dorf liegt auf einer Höhe von 848,4 Metern und hat mit seinen vielen Weilern und Einödhöfen heute ca. 1 050 Einwohner und umfasst eine Fläche von rund 2000 Hektar.

Ebersbachs Anfänge sind in Dunkel gehüllt. Doch lassen sich vorgeschichtliche Siedlungsspuren etwa 200 Meter nordöstlich der Einöde „Gugger“ nachweisen. Hier wurden Grabhügel entdeckt, bei deren Einebnung man einen Steinbau mit braunroten Gefäßresten und beilartigen Waffen fand.

Ferner durchbrechen Lichtstrahlen das Dunkel, als die Römer in die Gegend kamen und Siedlungen sowie eine Straße von Kempten nach Augsburg bauten. Von Obergünzburg her lief die Straße durch das tief eingeschnittene Tälchen Valleroy, östlich an Reichholz vorbei nach Algers in Richtung Eggenthal gen Norden.

Ebersbach wurde im Jahre 1339 erstmals urkundlich erwähnt. Es war eine eigene Herrschaft, deren nie-
dere Gerichtsbarkeit sich auch über die Orte Reichholz, Hauprechts, Algers, Gfäll, Hofmans, Heißen, Ober- und Untermelden, Wielands und Rufen erstreckte. 
Die ältesten bekannten Besitzer waren die Edlen von Rotenstein, denen auch der Kirchensatz gehörte.

Im 15. Jahrhundert besaß der Ulmer Bürger Schermaier die Herrschaft Ebersbach und vererbte sie an seinen Sohn Ulrich und seinen Schwiegersohn Albrecht Schad. Ersterer verkaufte seine Hälfte im Jahre 1465 an Hans Kurz, einen Bauern in Ebersbach. Von diesem kam sie an Hans von Benzenau zu Kemnat, der auch den Anteil des Albrecht Schad erwarb und so die Herrschaft wieder vereinigte. Am 9. Februar 1486 aber verkaufte Hans von Benzenau die ganze Herrschaft mit Gericht, Zwing und Bann und allen Rechten an die Brüder Hildebrand und Jörg von Werdenstein. Fünf schöne Grabsteine aus rötlichem Marmor und Sandstein in der hiesigen Pfarrkirche erhalten das Andenken an die Herren von Werdenstein. Im Jahre 1609 verkauften sie die ganze Herrschaft mit allen Rechten an das Stift Kempten.

Der Bauernkrieg: Die Bauern waren elend geknechtet. Sie mussten mit ihren Familienmitgliedern und ihren Zugtieren oft mehrere Tage der Woche auf dem Gutshofe unentgeltlich Hand- und Spanndienste leisten. Außerdem hatten sie Abgaben an Vieh und Feldfrüchten zu leisten. Bald rotteten sich die Bauern zu kleineren, bald zu größeren Haufen zusammen. Ein Rädelsführer von hier, Peter Nußer, wurde in Haldenwang hingerichtet. Alle Aufstände fanden ein blutiges Ende.

Der Dreißigjährige Krieg: Bis 1632 hatte man in der hiesigen Gegend noch keine besonderen Lasten durch die Truppen der kriegsführenden Mächte. Aber danach gab es düstere Tage für die Gemeinde. Die Schweden hatten ein Lager in Obergünzburg und dahier auf dem Theinberg errichtet. Elf Bauern und Bürger fielen der schwedischen Soldateska, sogar zum Teil durch den gefürchteten Schwedentrunk, zum Opfer. Nachdem die Schweden alles aufgezehrt hatten und abzogen, wüteten Pest und Hunger furchtbar. 1634 waren Elend und Not so groß, dass man es nicht beschreiben kann. Für eine Pfanne Mus konnte man sich fünf Jauchert-Wiesen kaufen. Ebersbach zählte nur noch 155 Einwohner.


Vereinödung:
Um das Jahr 1784 wurden die Grundstücke zusammengelegt. Wie aus einer Arrondierungsbeschreibung hervorgeht, wurde damals schon so verfahren, wie heutzutage bei der Flurbereinigung. Von jedem wurde seine Fläche festgestellt und ihm dann zusammenhängend ausgemessen. In die entfernten Grundstücke wurden die Einöden gebaut. Die Hausnummern kamen um 1803, zuvor galten die Hausnamen.

Die Napoleonische Zeit: Durch die Säkularisation 1803 kam das Stift  Kempten und somit auch Ebersbach zu Bayern. Bei den Feldzügen von 1807 bis 1815 wurden in Ebersbach 18 Soldaten als tot und vermisst gemeldet. Zu erwähnen ist der Feldzug nach Russland, wo 30.000 Bayern mitmarschierten und nur 2000 die Heimat wiedersahen.

Hungersnot: Das Jahr 1815 war schon sehr regenreich und kalt. Doch der Sommer 1816 war noch viel schlechter, denn es schneite noch bis zur Ernte, sodass die Bauern die wenigen Feldfrüchte, die es gab, schier nicht hereinzubringen wussten. Die Lebensmittel wurden im Herbst 1816 und noch mehr im Frühling 1817 so teuer, dass alle Leute, die diese traurige Zeit durchmachten, diese zeitlebens nicht vergaßen. Die Ursache dieser Klimaveränderung war der Ausbruch des Vulkans Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa. Er forderte nicht nur 12.000 Menschenleben, sondern schleuderte auch viel Rauch, Sand und Asche in die Atmosphäre und löste so die Wetterverschlechterung im weit entfernten Europa aus.

Kriege: Im deutschen Krieg 1866, sowie im Krieg 1870/71 gegen Frankreich gab es keine tödlichen Verluste. Während des ersten Weltkrieges 1914 bis 1918 waren von Ebersbach 112 Mann an der Front. 44 fielen oder galten als vermisst. Im zweiten Weltkrieg waren es 47 Ebersbacher, die nicht mehr in die Heimat zurückkehrten.

Die Pfarrkirche: Die um 1475 im gotischen Stil erbaute Pfarrkirche St. Ulrich wurde am 7. Juli 1478 eingeweiht. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche vergrößert und dem damaligen Zeitgeist entsprechend in ein barockes Gotteshaus verwandelt. Im Jahre 1863 erhielt die Kirche einen neuromanischen Stil. Die Gemälde am Hochaltar des großen Obergünzburger Künstlers Johannes Kaspar sind heute noch zu sehen. Im Jahre 1935 wurde die Kirche wiederum renoviert. Sämtliche Deckengemälde stammen von Ludwig Daßer, einem Sohn aus der eigenen Pfarrei. Letztmalig wurde sie in den Jahren 1991/92 renoviert.

Die Schule: Bekanntlich wurde bei uns in Bayern 1802 der Besuch der Werktagsschule und 1803 der Besuch der Sonn- und Feiertagsschule angeordnet. Wie aber aus den Akten zu entnehmen ist, wird in Ebersbach schon um 1750 ein Schulunterricht nachgewiesen. Das Schulhaus wurde 1820 teils durch Gelder des Lehrers, teils durch Gelder der Gemeinde erbaut. 1853 wurde es ganz von der Gemeinde übernommen. 1833 ist eine Industrieschule für Mädchen erwähnt, in der Nähen, Stricken und Flicken gelehrt wurde. Im Jahre 1939/40 wurde eine neue Schule erbaut. Auch die Ebersbacher Schule wurde ein Opfer der Schulreform. Seit 1975 fahren alle Schüler nach Obergünzburg.

Die Nachkriegszeit bis zur Gegenwart: Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinde durch die Heimatvertriebenen auf über 1400 Einwohner an. Wie überall setzte dann ab Mitte der 50er-Jahre eine rege Bautätigkeit ein. Auch die Gebietsreform hinterließ in Ebersbach ihre Spuren. Bei einer Volksabstimmung im Jahre 1972 entschieden sich 56% der Wahlberechtigten für eine Eingemeindung nach Obergünzburg und somit waren die Tage der Gemeinde Ebersbach gezählt. Von 1973 bis 1975 erbaute der Schützenverein „Eintracht“ ein Schützenheim. 1977 wurde in der ehemaligen Schule ein Kindergarten eröffnet. In den 80er-Jahren wurde die Abwasserbeseitigung in Ordnung gebracht. 1991 richtete der Schützenverein das 31. Gauschießen mit über 1700 Schützen aus. Von 1999-2002 errichtete der TSV eine Turn- und Mehrzweckhalle. Bei diesem Mammutprojekt wurden 35.000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet. Obwohl Ebersbach keine selbständige Gemeinde mehr ist, hat es Dank der vielen Vereine und Organisationen seine Eigenständigkeit bewahrt. Auch das 43. Bezirksmusikfest wird zu einem Meilenstein in der Geschichte werden.

Text: Georg Mayr

Dorfbild Foto Antonio Multari

Foto: Antonio Multari

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